LifeTime Journal

Wie der Perso, die eGK und der Führerschein die digitale Medizin katalysiert

Ein offener Brief an den Bundesgesundheitsminister

Sehr geehrter Bundesgesundheitsminister,

sehr geehrter/e zukünftige/r Bundesgesundheitsminister/in,

2003 wurde mit der eGK eine damals fortschrittliche Technologie gesetzlich verankert. Im Verlauf der Konzipierungsphase hat die Welt dann ab 2007 einen massiven Paradigmenwechsel hin zu mobilen Technologien vollzogen. Heute – 2017 – interagieren und authentifizieren wir uns im Alltag in stark zunehmendem Maße mittels smarter Geräte.

Medizin hat die Besonderheit, dass häufig unerwartet unterschiedlichste Ökosysteme aufeinander treffen: Die von sehr analogen bis voll-digitalen Ökosysteme der Ärzte und die zunehmend smarten Ökosysteme von Patienten. Das Standard-Medium und die Standard-Schnittstelle zum Austausch von Informationen zwischen den beiden Ökosystemen ist das Papier… schlichtweg weil das Drucken, Unterzeichnen und Übergeben eines Papierdokumentes einfach einfach ist und ohne Mittelsmänner abläuft.

Jeder Patient hat aktuell verschiedene Signaturen (eGK, Perso, Führerschein). Diese Signaturen sind an Plastikkarten gekoppelt. Für Menschen ist dies wertvoll, da sie sich damit authentifizieren und Transaktionen autorisieren können, auch wenn sie nicht in der Lage oder Willens sind aktuelle Technologien zu nutzen. Die Signatur, beispielsweise auf der eGK, ist somit ein erfolgreich etabliertes, bewahrenswertes und wertvolles Backup in den Portemonnaies und Taschen der Bürger.

Alle sind aufgewacht. Menschen nutzen digitale Medizin und digitale Medizin bringt Menschen bereits Nutzen. Der Innovationsfonds hat 29 Projekte aufgelegt, die ersten Ausschüttungen stehen an – großartig. Und weiter gehts. Aus technologischer Sicht fehlt nun ein elementares Bindeglied, um alle Spieler zu vereinen. Patienten haben Smartphones, Tablets und Computer, jedoch meistens kein Kartenlesegerät.

Um Deutschland und Europa als Vorreiter in der Digitalmedizin zu etablieren, bedarf es als nächstes der Befreiung der Signatur, so dass Patienten ihre Signaturen auch entkoppelt von der Karte auf ihren Geräten nutzen können. Eine Entkopplung ermöglicht quantifizierbare telemedizinische Interaktion, validierte Nutzung von Gesundheits-Apps, einfache und schnelle Qualifizierung digitaler Therapieoptionen, mobile Authentifizierung in Gesundheitseinrichtungen sowie eine interaktive Zugriffsautorisierung für die datenschutzkonforme Verknüpfung von Gesundheitsportalen, Apps und analytic engines durch Patienten.

Technologisch sind verlässliche Authentifizierungsmechanismen, die ohne physische Medien auskommen, bereits vorhanden. Karten sind gute Backups für Signaturen, jedoch ermöglichen sie kein einfaches digitales Nutzererleben.

Digitale Medizin – Made in Germany, Made in Europe, Made for the World – bekommt aktuell Leuchtturmcharakter. Wir alle – Patienten, Ärzte, Apotheker, Unternehmer, Industrie, Systemakteure und viele mehr – packen es gerade an. Und es wird gut. Befreien Sie die Signatur und katalysieren Sie den Quantensprung hin zur digitalen Medizin.

 

 

 

Dr. med. Johannes Jacubeit

 

 

Lesen Sie zu diesem Thema auch den Artikel ‚LifetTime und die eGk: Ein Ausblick

Dr. Johannes Jacubeit