LifeTime Journal
Symbolbild Datenschutz - Schloss, Tastatur, Stetoskop

Sind Ärzte heute Experten für Datenschutz?

Mediziner als Datenschutzexperten? Das entspricht nicht unbedingt dem üblichen Bild von Ärztinnen und Ärzten. Zweifelsfrei aber ist die Medizin eine Branche, in der ein hohes Wissen über den Schutz persönlicher Daten herrscht – und das nicht erst seit Einführung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) im Mai 2018. Schließlich sieht die Verschwiegenheitspflicht laut § 203 StGB seit jeher eine besondere Sorgfalt im Umgang mit personenbezogenen Angaben für Ärzte und andere Heilberufler vor.

Als äußerst umständlich und zeitraubend wurde daher die Einführung der DSGVO vor rund einem Jahr, im Frühjahr 2018, wahrgenommen. Schließlich ist der vertrauliche Umgang mit Patientenunterlagen ein wichtiger Teil des ärztlichen Selbstverständnisses. Die Änderungen, die die DSGVO erforderte, haben aber vielfach zu Mehrarbeit geführt: Alle Abläufe innerhalb einer Praxis auf die Datenverarbeitung hin zu überprüfen und dann Arbeitsprozesse umzustellen kostet wertvolle Zeit. Zeit, die am Ende des Tages für die Behandlung der Patienten fehlt.

Gleichwohl war die Einführung der DSGVO aus zwei Gründen wichtig:

  1. Vertrauen

Vertrauen ist die Basis für ein gutes Verhältnis zwischen Arzt und Patient. Ein hoher Standard an Datensicherheit trägt dazu bei, dieses Vertrauen zu stärken. Denn Informationen über die eigene Gesundheit, ob in Gesprächen oder in schriftlicher Form, zählen zu den sensibelsten Daten, die ein Mensch über sich preisgibt.

  1. Sensibilisierung für Datenschutz

Der sichere Umgang mit Daten ist ein höchst relevantes und viel diskutiertes Thema in Gesundheitseinrichtungen. Die Einführung der DSGVO erforderte es, dass sich Praxisteams erneut und besonders genau damit auseinandersetzen. Die Debatte hat somit erneut für den Stellenwert der Datensicherheit sensibilisiert und unter anderem Sicherheitslücken aufgedeckt.

Was die Datenschutz-Grundverordnung vermochte

Die Auseinandersetzung mit dem Datenschutz erfordert natürlich auch eine kritische Überprüfung analoger und digitaler Prozesse in der Arztpraxis. Es stellt sich die Frage: Wie kann höchstmögliche Sicherheit gewährleistet werden? Bei der Auswahl digitaler Anwendungen sollte immer auch eine Information über die Architektur der Lösungen stattfinden.

Ein Beispiel: Viele der zurzeit am Markt erhältlichen digitalen Anwendungen basieren entweder auf zentraler oder dezentraler Datenhaltung. Bei der zentralen Datenhaltung werden Daten dauerhaft an einem zentralen Ort gespeichert und sind von dort jederzeit abrufbar. Hier gilt es jedoch, den Schutz vor Fremdzugriffen kritisch zu überprüfen. Bei der dezentralen Datenhaltung liegen die Daten nicht dauerhaft auf einem zentralen System, es existiert also kein zentraler Angriffspunkt, der für den unerlaubten Zugriff auf Daten missbraucht werden kann.

Diese Differenzierung hat die Fachwelt in den vergangenen Monaten umfassend diskutiert. Die Debatte hat damit vielen Ärzten Wissen über ein eher fachlich-technisches Thema ermöglicht.

Die neue Datenschutz-Grundverordnung war so gesehen eine Chance zu einer disziplinübergreifenden Debatte zum Thema Sicherheit von Patientendaten.

Und sie war zugleich eine Möglichkeit für Ärzte, Ärztinnen und Praxisteams, ihr Know-how über Datenschutz, Datensicherheit und IT-Strukturen zu vertiefen – abseits von Leitfäden oder Broschüren, dafür im Austausch mit Kollegen und IT-Spezialisten.

Veranstaltungshinweis

Einen Rückblick auf die ersten zwölf Monate seit der Einführung der DSGVO nimmt auch das Ärztenetz Hamburg in der Veranstaltung „1 Jahr Datenschutzgrundverordnung – Sind Patientendaten sicherer? Schutz von Gesundheitsdaten gegen Datenklau”.

Die Veranstaltung findet statt am 20.6.2019 ab 18:00 Uhr in der Bucerius Law School, Hamburg und wurde von der Ärztekammer mit 5 Fortbildungspunkten akkreditiert. Die Teilnahme ist für Mitglieder des Ärztenetzes kostenfrei.

Weitere Informationen auf den Seiten des Ärztenetz Hamburg.

Auch wir von LifeTime werden vor Ort sein und freuen uns auf einen angeregten Austausch!

Mareike Schröder

Corporate Communications bei LifeTime