LifeTime Journal

KIM für Praxen, MVZ und Kliniken – 4 Dinge, die Sie über die Kommunikation im Medizinwesen wissen müssen

KIM, die elektronische „Kommunikation im Medizinwesen“, steht im deutschen Gesundheitswesen in den Startlöchern. Über KIM werden niedergelassene Ärzte, Kliniken, Krankenversicherungen, Apotheken und weitere Leistungserbringer sicher miteinander kommunizieren können. Welche gesetzlichen Vorgaben für KIM gibt es, ab wann gelten diese und welche Vorteile entstehen?

KIM ist vergleichbar mit einem sicheren Mailsystem für Akteure des Gesundheitswesens. Über die neuen KIM-Mailadressen werden sich beispielsweise Befunde, Bilder, Krankschreibungen und Rezepte versenden lassen. Doch anders als bei dem Versand unverschlüsselter Mails findet ausschließlich eine verschlüsselte Übertragung statt und der Versand kann nur an geprüfte Leistungserbringer erfolgen. Die gematik hat den KIM-Standard aufbauend auf der Telematikinfrastruktur (TI) entwickelt. Ein Zugang zur TI ist Voraussetzung, um KIM einzusetzen.  

Ab wann wird KIM zur Pflicht?

Die gesetzliche Verpflichtung einen KIM-Dienst zu verwenden richtet sich nach der ersten Verfügbarkeit eines KIM-Dienstes durch einen Anbieter. Der Gesetzgeber gewährt für den KIM-Versand des eArztbriefs und eAUs einen Übergangszeitraum von sechs Monaten, ab Betrieb durch den ersten KIM-Anbieter am Markt. Danach kann der Versand nur abgerechnet werden, wenn dieser über KIM erfolgt.

Mehrere KIM-Anbieter befinden sich gerade im Zulassungsverfahren der gematik, so beispielsweise auch die akquinet health service GmbH, die auch hinter dem KIM-Angebot “kv.dox” der KBV steht. Ende 2020 werden voraussichtlich die ersten Zulassungen erteilt. Den Leistungserbringern stehen dann mehrere Anbieter zur Auswahl. In Bezug auf die Wahl eines KIM-Anbieters haben Niedergelassene die freie Wahl. 

Aktuell ist geplant, dass alle niedergelassenen Ärzte ab dem 1. Oktober 2021 einen KIM-Dienst benötigten. Denn ab dann sind Einrichtungen nach dem Terminservice- und Versorgungsgesetz verpflichtet, Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen (eAU) elektronisch über KIM zu übermitteln. Nach und nach werden weitere Schritte folgen, um die Kommunikation im Medizinwesen weiter zu digitalisieren.

Welche Vorteile bringt KIM?

  1. Sicheres Übermittlungsverfahren

KIM-Nachrichten und Dokumente werden immer verschlüsselt übertragen und künftig für bestimmte Anwendungen wie z.B. den eArztbrief qualifiziert signiert. Dadurch wird eine unbemerkte Veränderung der Nachrichten auf dem Weg zwischen Sender und Empfänger verhindert. Alle Kommunikationspartner müssen sich für KIM im Verzeichnisdienst registrieren lassen, so dass ihre Identität jederzeit nachvollziehbar ist. 

  1. Einfache, digitale Handhabung

Durch KIM werden Medienbrüche vermieden. Daten müssen nicht mehr von Hand eingegeben oder Informationen ausgedruckt und wieder eingescannt werden. Daher minimieren sich die Fehlermöglichkeiten durch den Anwender und die Daten liegen in Originalqualität vor. 

  1. Erstattungspauschalen und Förderungen

Die Einrichtung des KIM-Dienstes wird mit einer Einrichtungspauschale von einmalig 100 Euro je Betriebsstätte finanziert. Für den laufenden Betrieb gibt es eine Betriebskostenpauschale von 23,40 Euro pro Quartal je Betriebsstätte. Der elektronische Versand und Empfang von eArztbriefen über KIM wird bereits jetzt schon bevorzugt vergütet. Die Vergütung von 55 Cent teilt sich auf den Versender (28 Cent) und den Empfänger (27 Cent) auf. Beide müssen hierfür an die TI angeschlossen sein und einen KIM-Dienst nutzen. Diese Vergütung wird gegenüber dem Fax- oder Postversand bevorzugt, um die Digitalisierung des Medizinwesens zu beschleunigen. 

Was kann ich über KIM versenden?

Der Gesetzgeber sieht vor, dass künftig niedergelassene Leistungserbringer Dokumente über KIM untereinander austauschen können. Darunter fallen zum Beispiel Befunde (Labordaten, Röntgenbilder), Arztbriefe, Heil- und Kostenpläne, Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen, Abrechnungen und Daten für Disease-Management Programme. Teilweise sind die Dienste sind momentan noch im Aufbau und werden nach und nach zur Verfügung gestellt.  

Welche Voraussetzungen gelten für die Kommunikation im Medizinwesen (KIM)?

  • Anschluss an die Telematikinfrastruktur (TI)   
  • E-Health Konnektor 
  • Elektronischer Heilberufeausweis (eHBA Generation 2.0) für den Versand von digital signierten Dokumenten 
  • Interface: E-Mail-Client oder Integration ins PVS oder KIS oder LifeTime
  • Internet

KIM ist mit jedem KIS- und PVS-kompatibel

Der KIM-Dienst kann entweder in das KIS bzw. PVS integriert werden oder unabhängig vom Primärsystem genutzt werden. In dem zweiten Fall ist ein E-Mail Client erforderlich, um KIM-Mails versenden zu können. Alternativ können KIM-Mails künftig auch über die LifeTime Software übertragen werden. 

Auch personalisierte KIM-Domain ist möglich 

Die Anmeldungen zu KIM-Diensten sind bereits möglich. Sie erhalten dann einen Hinweis sobald der Dienst verfügbar ist. Der Anbieter akquinet bietet bei der Anmeldung auch die Möglichkeit, gegen einmaligen Aufpreis eine personalisierte Mail-Domain einzurichten. „Die KIM-Adresse wird ein Aushängeschild in der Kommunikation. Eine Praxis oder Klinik will sicher nicht seinen Dienstleister im Domainnamen haben, sondern lieber ihren eigenen Kliniknamen“, erläutert Dirk Aagaard von der akquinet health service GmbH das Angebot.

Mit KIM erfolgt also ein weiterer wichtiger Schritt hin zur Digitalisierung des Gesundheitswesens und einer sicheren Kommunikation im Medizinwesen. Weitere Informationen finden Sie unter medizinwesen.digital

 

 

Ann-Christin Vahl

Operations bei LifeTime