LifeTime Journal

Deutschlands modernste Arztpraxen: Internist Dr. Rainer Luick im Interview

Dr. Rainer Luick bietet mit seiner Facharztpraxis in München das gesamte Spektrum der Inneren Medizin sowie der Betriebsmedizin an. Neben seiner Tätigkeit als niedergelassener Internist hat er seinen Schwerpunkt auf Prävention gelegt. Sein Ziel: Durch Vorsorgeuntersuchungen Gesundheitsrisiken oder bereits bestehende Störungen rechtzeitig erkennen. Dafür nutzt der Betriebsmediziner auch digitale Anwendungen.

Sie haben digitale Lösungen in Ihren Praxisalltag integriert. Warum übergeben Sie als Internist Befunde und Begleitmaterialien digital an Patienten?

Als Arzt für Innere Medizin und Betriebsarzt vieler Firmen habe ich viel mit jungen Patienten zu tun, die entsprechend technikaffin sind. Denen möchte ich gerne einen zusätzlichen Service anbieten, indem sie über eine sichere Verbindung Arztbriefe und medizinische Befunde digital erhalten. Der Vorteil ist, dass Patienten ihre Dokumente immer bei sich auf ihrem Mobiltelefon dabeihaben.

Warum ist das ein Vorteil?

Kommen Patienten zu einem Arzt, haben sie direkt ihre Befunde dabei und müssen nicht mehr lange danach suchen. In der Regel vergessen Patienten nach ein paar Monaten, wann ein Arzt welche Untersuchung gemacht hat. Liegen die Termine Jahre zurück, verschätzen sich viele im großen Stil. Dann muss der Patient seinen Befund erst raussuchen oder sich neu zuschicken lassen und an den behandelnden Arzt weiterleiten. Das ist ein großer Aufwand. Hat der Patient seine Unterlagen direkt zur Hand, sparen Arzt und Patient viel Zeit.

Welche Dokumente übergeben Sie an Ihre Patienten?

Patienten erhalten Arztbriefe, EKGs sowie Laborbefunde. Letztere übergeben wir nach dem Termin in der Praxis.

Wie kommen digitale Befunde bei Ihren Patienten an?

Die meisten sind sehr interessiert und finden es gut. Im Gegensatz zur geplanten elektronischen Gesundheitskarte haben Patienten direkten Zugriff auf ihre Dokumente. Ihre Daten auf der elektronischen Gesundheitskarte können sie dagegen nicht einsehen. Patienten haben mit LifeTime die Hoheit über ihre eigenen Daten und entscheiden selbst, was sie welchem Arzt weitergeben wollen.

Über die elektronische Gesundheitskarte (eGK) wird viel diskutiert. Wie stehen Sie zur eGK?

Ich weiß, dass viele Ärzte der eGK skeptisch gegenüberstehen, ebenso wie einige Patienten. Die Karte ist inzwischen technisch überholt. Das LifeTime System ist moderner. Meines Erachtens nach wird die elektronische Gesundheitskarte irgendwann eingestampft. Die Politik hat einfach zu lange für die Umsetzung gebraucht. Daher sollten Ärzte, die einen besonderen Service liefern wollen, ihren Patienten schon heute digitale Angebote zur Verfügung stellen.

Bisher nutzen nur wenige Arztpraxen in Deutschland die zunehmenden Möglichkeiten der Digitalisierung.

Viele Ärzte verwenden noch Faxgeräte. Das Versenden ist schnell und die Handhabung ist erprobt. Allerdings ist es für uns einfacher, wenn wir Dokumente als PDF erhalten und es direkt in die Patientenverwaltung aufnehmen.

Warum sind alte Kommunikationsmittel immer noch weit verbreitet in Arztpraxen?

Es besteht immer noch große Unsicherheit bezüglich des Datenschutzes. Hinzu kommt, dass das Schreiben und Versenden des Arztbriefes nicht Aufgabe des Arztes ist, sondern des Assistenzpersonals. Deswegen setzt sich der Arzt auch nur wenig dafür ein, diesen Prozess zu optimieren. Die Entscheidung liegt nicht beim Arzt, sondern beim Arztpersonal, das wiederum nicht immer den Drang hat, dem jeweiligen Vorgesetzten einen neuen Prozess nahezulegen.

Die steigende Anzahl der Gesundheitsapps zeigt, dass die Digitalisierung im Gesundheitsmarkt voranschreitet. Wie wirkt sich das auf Ihren beruflichen Alltag aus?

Es gibt bereits Patienten, die mir ihre Gesundheitsdaten in ihren Apps oder auf Wearables zeigen. Ich rechne damit, dass der Wunsch nach einer professionellen Auswertung dieser Daten durch einen Arzt weiter steigen wird. Findet hier die Datenübertragung unverschlüsselt über das Internet statt, sehe ich den Datenaustausch allerdings kritisch. Hierfür sollten Ärzte ein System wie LifeTime nutzen, um die Informationen direkt in das Praxis-EDV-System zu übernehmen. Kompatibilität ist hier ein wichtiges Element.

Wie wird sich in den kommenden Jahren die Rolle des Arztes verändern?

Die Datenhoheit sollte in Zukunft sowohl beim Arzt als auch beim Patienten liegen. Vorsicht ist geboten, wenn Krankenkassen auf diese Daten zugreifen können. Für Digital Health gibt es eine große Zukunft. Das beobachte ich beispielsweise an der App, die ich gemeinsam mit Arbeitspsychologen entwickelt und auf den Markt gebracht habe. Über eine Befragung der Mitarbeiter erhalten Unternehmen damit eine psychische Gefährdungsbeurteilung, die seit 2014 verpflichtend ist.

Sind Patienten aus Ihrer Sicht mündig genug, um mit ihren Daten verantwortungsvoll umzugehen?

Die meisten Patienten sind erfahren genug. Es kommt auch darauf an, wie der Arzt seinen wissenschaftlichen Standpunkt vermittelt. Dr. Google ist inzwischen zu einer lästigen Erscheinung geworden. Es ist mühsam, mit diesem verbreiteten Halbwissen aufzuräumen. Ich rate Patienten, sorgsam und verantwortungsvoll mit ihren Daten umzugehen. Allerdings ist die extreme Datenschutz-Hysterie in Deutschland ein gewaltiges Entwicklungshindernis für sinnvolle technische Neuerungen. Wir laufen Gefahr, die vielen Chancen hierbei aus Angst heraus nicht zu erkennen.

Welchen Rat haben Sie für medizinische Kollegen, die sich digitaler aufstellen wollen?

Ich rate jedem, zunächst offen an sinnvolle Digital Health-Lösungen heranzugehen und sich diese genauer anzuschauen. Sind Sicherheit und Nutzen gewährleistet, sollten Ärzte diese auch für sich nutzen.

 

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Foto: Simon Malik

Janika Ebmeyer

Public Relations & Content bei LifeTime