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eRezept – Eine konkrete Anwendung für die Blockchain

Der Begriff Blockchain mit dem bekanntesten Beispiel der Kryptowährung Bitcoin ist weit verbreitet. Doch was sich dahinter verbirgt und was eine Blockchain kann, ist für viele immer noch recht diffus. Dabei bietet Blockchain auch für die Medizin viele Anwendungsfälle mit großen Potenzialen. Ein möglicher Anwendungsfall ist das elektronische Rezept (eRezept).

Die Prozesskette eines Rezeptes gestaltet sich folgendermaßen: Der Arzt als initiierende Partei übermittelt schützenswerte Daten in Form eines Rezeptes an einen Patienten. Dieser wiederum löst sein Rezept in der Apotheke ein. Für die Abrechnung leitet der Apotheker das Rezept über Mittelsmänner an die Krankenkassen weiter. Der Datensatz sowie der Status eines Rezeptes müssen dauerhaft gespeichert und abrufbar bleiben und dienen in der Folge, z.B. im Rahmen von Rabattverträgen, als Nachweis gegenüber Pharmafirmen.

Dieser Prozess besteht folglich aus Transaktionen zwischen multiplen Parteien und Geräten. Dabei ist die größte Herausforderung die immer wieder neue Konfiguration von aufeinander treffenden digitalen Ökosystemen mitsamt der entsprechenden Transaktionen.

Potenziale der Blockchain-Technologie für das eRezept

Um ein elektronisches Rezept in Deutschland zu etablieren, müssen die zahlreichen Parteien und die verschiedenen genutzten Technologien und Anwendungen einen gemeinsamen Nenner finden. Hierbei bietet die konkrete Blockchain-Technologie enormes Potenzial. Die Distributed Ledger Technologie (DLT) ist eine spezielle Form der elektronischen Datenverarbeitung und -speicherung. Sie ermöglicht föderalistische Partikularinteressen zu mitigieren und eine für alle praktikable und anwendbare Lösung der gesamten Rezept-Prozesskette von Arztpraxis und Klinik über Patient und Apotheke bis hin zu Leistungsträgern und Pharmafirmen zu schaffen.

Die Distributed Ledger Technologie bietet folgende Potenziale:

  • Patienten können individualisierte datenbasierte Services nutzen.
  • Die Forschung kann – basierend auf einer sehr große Anzahl an ggf. anonymisierten Rezeptdaten – Wissen schaffen.
  • Leistungsträger können eine effiziente, redundante und kostengünstige Langzeitarchivierung realisieren.
  • Im Rahmen von Rabattverträgen zwischen Leistungsträgern und Pharmafirmen sind vollautomatisierte Nachweisketten möglich.

Aus wissenschaftlicher Sicht ist das wesentliche Thema im 21. Jahrhundert folglich die Zusammenführung von den verteilt liegenden Gesundheitsdaten. Dabei wird der Speicherort jedoch eine geringere Rolle spielen als die Berechtigung, Zugriff auf die Daten zu erhalten und diese ggf. anonymisiert analysieren zu können.

Wie genau DLT im Rahmen des eRezeptes eingesetzt werden kann und welche weiteren Anwendungsfälle für DLT in der Medizin denkbar wären, lesen Sie in meinem Beitrag ‚eRezept – Eine konkrete Anwendung für die Blockchain‘ des Fachbuches ‚Die Zukunft der Medizin‘, herausgegeben von Erwin Böttinger und Jasper zu Putlitz, erschienen in der Medizinisch Wissenschaftlichen Verlagsgesellschaft.

Hier geht es zum neu erschienenen Buch ‘Die Zukunft der Medizin’.

Dr. Johannes Jacubeit