LifeTime Journal

Das kann der TI-Messenger – ein Überblick zu den geplanten Funktionen

TIM (kurz für Telematikinfrastruktur Messenger) heißt der nächste Digitalisierungsschritt der gematik, der Kommunikation in der Medizinbranche revolutionieren soll. Dieser Artikel klärt auf, welche Funktionen TIM mitbringen wird und inwiefern der Messenger die Kommunikation im Praxis- und Klinikalltag sicher gestaltet.

Im Kern von TIM steht der schnelle und sichere Nachrichtenaustausch über alle Geräte – ähnlich den bestehenden Chat-Lösungen, die bereits im privaten Bereich genutzt werden. Die gematik hat mit TIM einen Messenger für den Medizinbereich spezifiziert, der auf einem bestehenden Standard aufsetzt (Matrix-Protokoll) und sicher, datenschutzkonform sowie anbieterunabhängig ist. Zusätzlich sind von der gematik Erweiterungen und tiefere Integrationsmöglichkeiten mit Hilfe von offenen Schnittstellen angedacht, um die Prozesse im medizinischen Alltag maßgeblich zu vereinfachen. 

Zusammenarbeit mit Partnern aus der Industrie

Die gematik wählt für die Entwicklung von TIM einen neuen Ansatz und bindet Partner aus der Industrie mit ein. Hintergrund für die Entscheidung zur Co-Kreation ist zum einen die Idee, auf Erfahrungen und die Innovationskraft der Industriepartner zurückgreifen zu können, und zum anderen das Ziel, TIM möglichst benutzerfreundlich zu gestalten. Anders als bei KIM wird TIM flexibel auf verschiedenen Geräten nutzbar und einfacher in Einrichtung und Verwendung sein. Inwiefern sich der TI-Messenger im Detail von der aktuell in der Einführung befindlichen KIM E-Mail unterscheidet sowie die Hintergründe für TIM, waren Thema unseres letzten Blog Artikels

TIM wird interoperabel

TIM-zertifizierte Messenger werden miteinander kompatibel sein und so kann jede Einrichtung, jede Ärztin und jeder Arzt sowie jeder Mitarbeitende den Anbieter wählen, den man für am geeignetsten halten. Gleichzeitig bedeutet dies, dass jeder Messenger individuelle Funktionen und ein eigenes User Interface haben wird. Die gemeinsame Basis, um einheitliche Standards für die Interoperabilität und Sicherheit zu gewährleisten, ist von der gematik in Spezifikationen festgelegt. Einige Punkte werden aktuell noch tiefergehend von der gematik spezifiziert und sind zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels noch nicht final. Aktuell steht TIM 1.0 im Fokus. Nach dem Prinzip iterativer Software-Entwicklung folgen weitere Funktionen mit TIM 2.0 und 3.0, auf die in diesem Beitrag nur kurz eingegangen werden soll.

Funktionen des TI-Messengers

TIM funktioniert in erster Linie wie gängige Instant Messenger, die man aus dem privaten Umfeld kennt: Person A möchte eine Nachricht an Person B senden, sucht diese in einem Suchfeld oder Adressbuch und eröffnet mit einem Klick den Chat-Raum, um eine – meist informelle – Unterhaltung zu beginnen. Person B bekommt sodann eine Push-Mitteilung über die Nachricht auf das eigene Smartphone oder den Computer, kann die Nachricht einsehen und ad hoc antworten.

Private Nachrichten oder Chat-Räume

Kommunikation via TIM kann in Form eines Dialogs oder einer Gruppenunterhaltung erfolgen. In den so genannten Chat-Räumen können Nutzer Text-Nachrichten, Sprachnachrichten, Fotos, Videos und Dokumente ohne Größenbeschränkung austauschen. Per Push-Mitteilung erhält der Empfänger eine Information, dass eine neue Nachricht eingegangen ist und kann so schnell reagieren. Auch das Hinterlegen von Statusmitteilungen (erreichbar, Pause, Urlaub etc.) sowie verschiedene Optionen zu Lesebestätigungen sind möglich. In Gruppenchats kann ein Nutzer andere User per ‘@’ in einem Chat-Verlauf erwähnen, sodass diese Person eine Information per Push-Nachricht erhält. 

Spezifisch auf den Medizinbereich zugeschnitten können Nutzer Chaträume beispielsweise als ‘Patientenfall’ deklarieren. Diese Zuordnung soll ebenfalls für eine bessere Übersichtlichkeit sorgen. ‘Patientenfall’-Räume erhalten eine Kennzeichnung und gelten intern oder gar über Institutionen hinweg. Die Funktionen von TIM beinhalten außerdem, dass Nutzer Patientendaten und Teile eines Fotos direkt in dem Messenger schwärzen können, sodass der Nutzer die Meinung einer Kollegin datenschutzkonform einholen kann.

Geräteübergreifende Nutzung

Den TI-Messenger wird es als App auf dem Smartphone, als Website im Browser und auch auf dem stationären Rechner als Desktop Version geben. Alle Varianten werden dabei miteinander synchronisiert. Die Benutzeroberfläche soll für den Anwender übersichtlich und intuitiv gestaltet sein und sich an marktüblichen Standards orientieren sowie auf allen gängigen Geräten funktionieren. Jede Nutzerin hat die Möglichkeit die eigenen Privatsphäre-Einstellungen anzupassen (ggf. im Rahmen der Vorgaben der Institution).

Integration ins Primärsystem

TIM soll sich einfach in das Primärsystem integrieren lassen. Über offene Schnittstellen sollen von Krankenhäusern und Praxen genutzte Programme und Applikationen (z.B. DIGAs) möglichst via TIM kommunizieren können. Zur reibungsloseren Integration in das Krankenhaussystem kann TIM von Messenger Anbietern auch in Form eines Software Development Kits (SDK) bereitgestellt werden. 

Sicherheit und Datenschutz

TIM zertifizierte Messenger müssen nach den Grundsätzen sicherer Softwareentwicklung programmiert und von der gematik vor Erhalt der Zulassung überprüft werden. Bewährte Standards wie zum Beispiel Ende-zu-Ende-Verschlüsselung oder 2-Faktor-Authentifizierung finden sich auch bei TIM wieder. 

Chatverlauf und Medien verbleiben ausschließlich innerhalb des Messengers, eine zusätzliche Speicherung auf einem Endgerät ist nur manuell möglich. Eine Löschung des Chatverlaufs erfolgt nach einem bestimmten Zeitpunkt (etwa 8 Wochen) automatisch. Das Speichern von Metadaten muss grundsätzlich ausgeschlossen sein. Die Speicherung von Dokumenten erfolgt ausschließlich innerhalb des Dienstes, lokales Speichern auf einem Endgerät ist nur nach manueller Bestätigung möglich.

Aus Sicherheitsgründen ist es nicht vorgesehen, das lokale Adressbuch des Smartphones zu benutzen. Stattdessen soll der Verzeichnisdienst (VZD) der TI weiterentwickelt und so zu einem anbieterübergreifenden Nutzerverzeichnis bzw. Adressbuch mit Suchfunktion werden. Innerhalb einer Organisation wird der Homeserver – also das institutionseigene System – Zugang zu allen Nutzern innerhalb der Organisation bieten. 

Ausblick auf TIM 2.0 und 3.0

Neben TIM 1.0 hat die gematik bereits einen Ausblick auf TIM 2.0 und 3.0 veröffentlicht. Demnach wird TIM 2.0 die Nutzergruppe der Versicherten mit einschließen und somit die Kommunikation zwischen Ärztin und Patient erlauben. Der “Leistungserbringer” (LE) initiiert jede Kommunikation, die Versicherte hat die Möglichkeit, eine Kommunikation abzulehnen. Der Chatraum wird deaktiviert, sobald der LE den Raum verlässt, dies beendet die Kommunikation zwischen den beiden Parteien. Kommunikation zwischen Patienten via TIM ist nicht vorgesehen. 

Mit TIM 3.0 sollen Sprach- und Videoanrufe möglich werden sowie das Senden von Broadcast-Nachrichten (via Opt-In). Eine Broadcast-Nachricht ist eine Nachricht an mehrere Empfänger, ohne dass dadurch ein Gruppenchat entsteht. In TIM 3.0 wird durch die Anbindung an die Primärsysteme der LEI außerdem der Versand von Daten aus medizinischen Geräten und Software ermöglicht.

LifeTime x TIM

LifeTime steckt bereits mitten in der (Weiter-)Entwicklung des TIM Messengers. Der Grundgedanke von TIM – einen sicheren, intuitiven und schnellen Kommunikationskanal für den Medizinbereich zu schaffen – ist schon seit Beginn der Kerngedanke von LifeTime. Schon heute können Sie mit LifeTime viele der geplanten Funktionen nutzen und mit Ihren Kolleginnen und Patienten Nachrichten und Dokumente datenschutzkonform austauschen. Wenn es so weit ist, werden Sie neben einer Kommunikation via LifeTime, Fax und KIM auch TIM als einen Kommunikationskanal mit der LifeTime Software nutzen können.

Weitere Informationen zum LifeTime Messenger finden Sie auf der Webseite. Bei Fragen oder Anmerkungen erreichen Sie uns unter: team@lifetime.eu

Kristin Hollmann

Projektmanagement & Kommunikation