LifeTime Journal
Smart Praxis by Helena Neubert

Vom Arzt im Wohnzimmer und Apps auf Rezept

Das Barcamp “SmartPraxis” in Hamburg

Wie digital soll sie sein, wie analog darf sie bleiben, die SmartPraxis? Darüber diskutierten am Mittwoch, den 05. Juni 2019 mehr als 50 Teilnehmende aus Medizin, Gesundheitswirtschaft und Healthcare Startup-Szene auf Einladung der Gesundheitswirtschaft Hamburg (GWHH) im Health Innovation Port von Philips. Durch das Barcamp führte Digital Health Enthusiast und Mentor Frank Stratmann.

Soviel vorweg: Für eine einheitliche Definition der SmartPraxis reichten zwölf Sessions à 45 Minuten nicht aus. Bloß eine Frage zu diskutieren, widerspricht allerdings auch der Idee eines Barcamps. Für das Format typisch ist: Inhalte und Themen für Sessions schlagen die Teilnehmenden vor Ort vor. Auf die Agenda kommt alles, was ausreichend Anklang im Teilnehmerkreis findet.

So ging es in den zwölf Sessions am Mittwoch unter anderem um folgende Fragen: Wie stellen wir uns den Smart Doc im Jahr 2030 vor? Wie passen SmartPraxis und Datenschutz zusammen? Auf welchem Weg finden Startups und Ärzte zueinander? Oder was müssen erstattungsfähige Gesundheitsapps können?

Apps auf Rezept – was sollen sie können?

Die letztgenannte Session greift mit dem kürzlichen Referentenentwurf zum “Digitale Versorgung Gesetz” (DVG) ein besonders aktuelles Branchen-Thema auf: Im DVG sollen die Paragraphen § 33 und §139e künftig regeln, dass Gesundheitsapps sowohl ärztlich verordnet, als auch durch die Krankenkassen erstattet werden können. Aus Sicht der Teilnehmenden müssen erstattungsfähigen Apps künftig folgende Kriterien erfüllen:

  • eine Rückkopplung an den Arzt, um Erfolg der Gesundheitsapp bewerten zu können
  • eine aggregierte Zusammenfassung der entstandenen Daten
  • eine Übersicht aller Anwendungen
  • App kann Unterstützung in der Therapie leisten, Arzt bleibt Entscheider
  • Patient muss die Hoheit über seine Daten behalten
  • Schnittstellenfunktionen an andere eGAs oder die ePA
  • Vergütung der Beratungs- und Controlling-Leistung des Arztes

Letzteres, also eine Regelung für die Vergütung, ist im aktuellen Gesetzesentwurf mit § 87 bereits vorgesehen. Ab Anfang 2020 sollen einzelne Gesetze des Entwurfs in Kraft treten. Mit den neuen Regelungen zu digitalen Anwendungen wird ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung “Smart Praxis” getan.

Wie die SmartPraxis Realität werden kann

 

Noch steht die abschließende, gemeinsame Definition einer SmartPraxis aus. Einigkeit herrschte darüber, dass sie Modernität und Menschlichkeit vereint: Sie solle vernetzt sein, Medien nutzen und effizient arbeiten einerseits, andererseits Zeit für das Wesentliche haben und Zufriedenheit für Ärzte und Patienten gleichermaßen anstreben.

Ob Detailfragen oder ethische Fragestellungen, ob Gesetzesentwürfe oder die Kommerzialisierung der Medizin – beim Barcamp SmartPraxis fand der Austausch über den Status Quo ebenso Platz, wie die Kritik am selbigen. Vor allem aber entstanden Ideen und Inspirationen, mit welchen Tools oder Modellen Medizin sich künftig zunehmend vom Analogen zum Digitalen entwickeln kann.

Bis “Analog k.o.” – so der provokante Titel einer der Sessions – allerdings Realität wird, wird noch einige Zeit vergehen. Damit die Smart Praxis irgendwann im Alltag ankommt, braucht es auch in Zukunft Menschen und Netzwerke, die im Gesundheitswesen etwas bewegen wollen. Die Teilnehmenden waren sich einig: Die Fortsetzung des Barcamps folgt – bis hierzulande die erste SmartPraxis eröffnet.

 

Bildnachweis/Graphic Recording “SmartPraxis” by Helena Neubert

Mareike Schröder

Corporate Communications bei LifeTime