LifeTime Journal

Arzt oder App — Wer gewinnt durch die Digitalisierung der Gesundheitsbranche & E-Health?

Das Gesundheitssystem ist im Wandel, das zeigt sich auch auf der Dmexco, der größten Online-Marketing Messe in Europa mit über 1000 Ausstellern und 570 Vorträgen. Die Besucher stehen schon Schlange für die Diskussionsrunde “App oder Arzt? Wie Mobile Health das Gesundheitssystem verändert”. Selbst der Moderator, Mark Wächter, ist überrascht von dem großen Andrang — schließlich ist es das erste Mal, dass E-Health auf der Dmexco überhaupt behandelt wird. Dies zeigt wieder ein mal, dass man einfach nicht mehr an dem Thema E-Health vorbei kommt.

Geladen waren Mr. IoT, Ingo Notthoff (BVDW), Mr. Wearables, Nico Wohlgemuth (BVDW), Mr. Versorgung, Joseph Meiser (Gothaer Krankenverischerungen), und Mr. Content, Ronny Köhler (BVDW).

Zur Einstimmung wurden die Zuschauer durch ein Zitat von Kevin Plank (2016), CEO von Under Armour, auf die Absurdität des aktuellen Systems hingewiesen:

“It´s absurd that you know more about your car than you know about your body”

Somit muss die Notwendigkeit der digitalen Transformation des Gesundheitswesens nicht mehr diskutiert werden. Es ist also gleich zu Anfang klar, dass es einen Wandel geben muss — Frage ist nun wie genau sich dieser Wandel gestaltet und wie sich die Rollen der aktuellen Akteure im Gesundheitswesen verändern.

Nun gibt es ja inzwischen zahlreiche Entwicklung im Bereich Gesundheits-Apps (J. Ebmeyer berichtete). Mit dem Smartphone wird alles gemessen— Schritte, sportliche Aktivitäten, Kalorien, Zucker- und Blutdruckwerte, Schalfzyklen und vieles mehr — und das teilweise sogar ohne, dass die Smartphone Nutzer davon wissen. iPhone und iWatch, “the ultimate device for a healthier life”, beispielsweise tracken die Schritte einfach per default mit ohne die Nutzer explizit zu informieren.

Mr. IoT  hat zwei Aspekte in Bezug auf die Datensicherheit besonders hervorgehoben:

  • Wer kann eigentlich etwas mit den vertraulichen Daten anfangen? Es liegt auf der Hand, dass Versicherungen an solchen Daten interessiert sind — schließlich ist das doch die perfekte Grundlage für leistungsabhängige Versicherungs-Modelle und digitale Bonushefte. Außerdem sind natürlich Ärzte, Trainer und Vertreter der Pharma Industrie interessiert.
  • Wie werden diese Daten geschützt? Da viele Nutzer nicht einmal wissen, dass die Daten mitgetrackt werden, liegt es auf der Hand, dass die Wenigsten sich damit beschäftigen, wie diese Daten geschützt werden und wo die Daten liegen. Zwar gibt es auch im App Bereich immer mehr Zertifizierungsmöglichkeiten, was aber wirklich dahinter steckt bleibt den meisten Smartphone Nutzern dennoch verborgen.

Ingo Notthoff bestätigt, dass sich wohl die wenigsten Smartphone User jemals mit den AGBs beschäftigt haben. Dennoch zeigt sich in Studien eine gewisse Skepsis der User gegenüber Datenschutzaspekten (J. Ebmeyer berichtete).

Mr. Versorgung, Joseph Meiser von der Gothaer Versicherung, betont, dass E-Health als Katalysator der Wandels im Gesundheitssystem anzusehen ist und sich sowohl die Rolle der Ärzte, als auch die der Versicherungen verändern. Versicherungen stellen sich aktuell “fast schon philosophische Fragen” über die veränderte Rolle von Kostenträgern. Die 200 Jahre alte Versicherung sei dabei sich neu zu erfinden, um den neuen Anforderungen gerecht werden zu können. Laut Mr. Versorgung werden sich traditionelle Prozesse verändern müssen und Kostenträger werden künftig die neu entstehenden Strukturen vernetzen.

Außerdem ist eine weitere Frage natürlich spannend: Wer zahlt denn eigentlich? Ronny Köhler zeigt auf, dass es zwei verschiedene Systems gibt, den 1. und den 2. Gesundheitsmarkt. Apps würden klassischerweise zum 2. Gesundheitsmarkt zählen — also zahlen Patienten anfallende Kosten selbst und werden nicht weiter an Krankenkassen oder Versicherungen übergeben — das Beispiel von der LifeTime App zeigt aber, dass es auch andere Modelle gibt, bei denen die App User nichts zahlen.

Die Speicherung und Aggregation der Gesundheitsdaten gibt die Möglichkeit, ein Dashboard des eigenen Körpers zu erstellen, so Mr. Wearables. Ziel des ganzen sei aber keine Einführung eines Bonus-Malus Systems — so wie Generali es in Deutschland versucht hat — sondern eher ein Bonusprogramm, das letzendlich zu einer Verhaltensänderung durch mehr Bewegung, gesündere Ernährung etc. führt.

“Wir Deutsche werden nicht darauf vorbereitet mit technologischen Innovationen Schritt zu halten und versuchen deshalb es zu bremsen” (Nico Wohlgemuth)

Deutsche müssen den Umgang mit Daten zunächst erlernen, inbesondere müssen wir lernen, welche Möglichkeiten uns diese Daten bieten, so Mr. IoT. Insbesondere die Möglichkeit, medizinische Daten zu sammeln, zu bündeln und allzeit griffbereit zu haben führt zu besseren medizinischen Möglichkeiten.

Abschließend wurde die Bereitschaft des Publikums getestet solche technologischen Neuerungen und insbesondere den Übergang von Diagnose-Kompetenzen von Ärzten auf Maschinen. Es zeigt sich, dass die Innovations-Bereitschaft des Publikums sehr hoch ist:

Die Hälfte der Anwesenden findet es in Ordnung von einer Maschine, statt von einem Arzt, eine schlimme Krankheit diagnostiziert zu bekommen.

Dennoch werden Ärzte natürlich nicht ersetzt — die Rolle wandelt sich nur hin zum Berater und Seelsorger, so Nico Wohlgemuth. Maschine Learning und künstliche Intelligenz im medizinischen Bereich werden dazu führen, dass Maschinen immer mehr Probleme lösen und Daten verarbeiten und dabei weniger fehleranfällig sind als Menschen. Somit werden mit den neusten Entwicklungen in den Bereichen E-Health und mHealth die Grundlagen für eine bessere und umfassendere medizinische Versorgung geschaffen und alle Akteure gewinnen durch die Digitalisierung des Gesundheitssystems.

Ann-Christin Vahl

Marketing bei LifeTime