LifeTime Journal

Die 5 größten Irrtümer über Mobile Health

Die Digitalisierung der Gesundheitsbranche lässt viele Fragen aufkommen. Öffentliche Diskussionen darüber verlaufen teilweise emotional — und weniger faktenbasierend. Um mit den Mythen und Halbwahrheiten über Mobile Health aufzuräumen, hat der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V. in Düsseldorf einige Thesen in seinem Leitfaden ‘Mobile Health im Faktencheck’ überprüft.

1. „Der Schutz der Gesundheitsdaten ist nicht gewährleistet.“

Gesundheitsdaten unterliegen dem gesetzlichen Datenschutz. Dieser ist streng reguliert. Ärzte, die Gesundheitsdaten offenbaren, können sich strafbar machen. Dies ist auch der Fall, wenn Mediziner Patientendaten über einen externen Datenverarbeiter an eine Gesundheits-App weitergeben. Möchten Mobile Health-Anbieter Gesundheitsdaten erheben und verarbeiten, sind sie dazu verpflichtet, ein hohes Sicherheitsniveau zu beachten. Dadurch tragen sie aktiv zum Schutz der Gesundheitsdaten bei.

2. „Es droht eine Entsolidarisierung.“

Das geltende Recht verbietet, dass Versicherten Nachteile beim Tarif entstehen, wenn sie ihrer Krankenkasse das Sammeln von Gesundheitsdaten verweigern. Tarifkriterien wie Alter oder gesundheitliches Risiko sind bei gesetzlichen Krankenkassen gesetzwidrig. Spezielle Tarife, bei denen Versicherte Gesundheitsdaten übermitteln müssen, sind entsprechend unzulässig. Innerhalb strenger Grenzen gibt es zwar Teilzuschüsse zu Smartwatches oder Wearables, diese sind aber nicht an das Übermitteln von Gesundheitsdaten gebunden.

3. „Gesundheits-Apps sind nur Spielerei.“

Apps können eine gesunde Lebensweise fördern: Sie zählen die Schritte und motivieren, sich mehr zu bewegen. Sie lassen sich als Ernährungs-Tagebuch nutzen, helfen bei der Dokumentation einer Krankheit, erinnern an die Einnahme von Medikamenten oder an Vorsorge-Untersuchungen. Gerade Personen, die eher nicht auf Prävention achten, motivieren sich durch Anreize wie spielerische (Gamification) und soziale Elemente (Social Proof) zu einer bewussten Lebensweise.

4. „Apps ersetzen den Arzt.“

Apps können und sollen den Arzt nicht ersetzen. Allerdings gilt es, die Chancen und Vorteile der Digitalisierung zu nutzen, um Probleme des heutigen Gesundheitswesens zu lösen. Dazu zählen eine Unterversorgung in ländlichen Regionen und lange Wartezeiten für Arzttermine. Apps, Web-Services, künstliche Intelligenz und andere digitale Dienste und Technologien können helfen, diese Probleme zu lösen.

5. „Der deutsche Markt ist für Mobile Health zu komplex.“

Mobile Health-Anbieter haben es in Deutschland nicht leicht, sich am Markt zu behaupten. Im ersten Gesundheitsmarkt erstatten Krankenkassen Gesundheitsprodukte und -leistungen. Der Marktzugang ist stark reguliert, jedoch nicht unmöglich. Im zweiten Gesundheitsmarkt finanzieren die Nutzer die Angebote privat. In diesen Bereich fallen Wellness, Vorsorge, Fitness, Gesundheitstourismus, frei verkäufliche Arzneimittel oder ärztlich empfohlene individuelle Gesundheitsleistungen. Aufgrund der niedrigen Eintrittshürden nutzen hier viele Anbieter die Chance, Nachweise zu sammeln, um zum ersten Gesundheitsmarkt zugelassen zu werden.

Der Faktencheck des BVDW zeigt, dass nicht alle Bedenken, die in gesellschaftlichen Debatten zu Mobile Health aufgeführt werden, auf einer sachlichen Diskussionsgrundlage beruhen. Aufklärung ist also notwendig, zumal Deutschland bei der Digitalisierung des Gesundheitssektors weit hinterherhinkt. Zugleich ebnet sie den Weg für Innovationen im Gesundheitsmarkt  —  zum Wohle der Patienten.

Janika Ebmeyer

Public Relations & Content bei LifeTime